Selbstreflexion

Selbstreflexion – Der Schlüssel zu dir selbst

Mehr, mehr, mehr – Mehr Leistung, mehr Druck, mehr Angebote.

Manchmal wissen wir gar nicht mehr, wo uns der Kopf steht.

Abteilungen werden zusammengeführt, Stellen gekürzt und mit einer Selbstverständlichkeit füllst plötzlich zwei Positionen aus, anstatt nur einer.

Sei es in der Wirtschaft oder im Gesundheitswesen – Die Aktionäre wollen immer bessere Ergebnisse, koste es was es wolle.

Mitbewerber gibt es wie Sand am mehr, viele junge Menschen haben zumindest mal einen Bachelor. Studieren ist heute nichts Besonderes mehr, da muss man schon ganz besonders aus der Menge raus stechen, um einen wirklich guten Job zu bekommen. 

Die Möglichkeiten und Angebote steigen ins Unermessliche.

Erst mal chillen nach dem Abi in Australien oder doch gleich mit dem Studium weitermachen? Erasmus in Mailand oder Paris? Welcher weitere Studiengang darf‘s denn sein?

Elternzeit aufteilen oder allein nutzen?

Nochmal ins Ausland gehen oder lieber sesshaft werden?

Heutzutage ist irgendwie alles möglich und wir werden von der Flut an Möglichkeiten und Angeboten regelrecht überschwemmt.

Hinzu kommt der stetig steigende Druck der Gesellschaft immer etwas erreichen zu müssen und im Dauermodus auf Höchstleistung zu fahren.

Bei diesem ganzen Tohuwabohu passiert es nicht selten, dass wir unseren Kopf verlieren, wenn nicht sogar uns selbst.

Auf wen soll ich denn jetzt hören? Was ist denn nun wirklich das Beste für mich? Was will ich denn wirklich im Leben? Wofür soll ich mich den nun entscheiden?

Allein beim Niederschreiben dieser Fragen wird mir ganz schwindelig.

Wenn man mal darüber nachdenkt, dass viele von uns eine gefühlte Ewigkeit mit diesem Gedankenkarussell im Kopf herumlaufen, dann scheint das Ausüben von Selbstreflexion immer wichtiger zu werden.

Aber jetzt mal eins nach dem anderen.

Was versteht man unter Selbstreflexion?

Selbstreflexion
Fotocredit: Andrew Ly on Unsplash

Selbstreflexion bedeutet über dich selbst nachzudenken. Deine Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen genau unter die Lupe zu nehmen und zu hinterfragen, was dir wiederum dabei hilft dich besser zu verstehen.

Was bedeutet es die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu haben?

Unter anderem bedeutet es die Bereitschaft zu haben sich und seine Verhaltensweisen auch mal wirklich zu hinterfragen.

Oftmals ist unser Verhalten ja nicht gerade angemessen, sogar vielleicht schon etwas übertrieben. Sich dann zurückzunehmen und zu hinterfragen – Moment mal, was war das denn gerade? Das war jetzt aber nicht normal, das hätte nicht sein müssen, wo kam das denn her? Das fällt vielen sehr schwer.

Zumal man sich somit eingestehen müsste, dass man selbst nicht richtig gehandelt hat und viele sehen da lieber drüber hinweg und tun so, als wäre nichts gewesen.

Was schreibt man in einer Selbstreflexion?

In einer Selbstreflexion hinterfragst du Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen.

Zum einen kannst du deinen Gedanken freien Lauf lassen, alles niederschreiben, was du im Kopf hast und das Ganze danach analysieren oder du kannst gezielt mit Fragen gewisse Situationen genauer unter die Lupe nehmen.

Hierzu gibt es sehr viele verschiedene Fragen, die dir dabei helfen. Dazu aber unten mehr.

Was solltest du beim Durchführen einer Selbstreflexion beachten?

#1 Zeit und Ruhe

Für mich mit der wichtigste Punkt, darum führe ich ihn auch zuerst auf.

Suche dir einen ruhigen Ort, an dem du dich voll und ganz entspannen kannst und zur Ruhe kommst.

Je mehr Ruhe und umso weniger Zeitdruck du hast, umso leichter wird es dir fallen deine Gedanken wahrzunehmen und die Fragen zu beantworten.

#2 Schriftlich

Du weißt ja, dass ich ein großer Fan vom Schreiben bin.

Schreiben ist wie Therapie und verinnerlicht das Ganze nochmal viel besser.

Zudem bringen wir viel mehr Gedanken aufs Papier, wie wir zeitgleich in unserem Kopf denken könnten.

So lässt sich das Geschriebene anschließend auch nochmal in Ruhe reflektieren.

#3 Achtsamkeit im Alltag

Sei achtsam im Alltag und beobachte dich. Wo fallen dir Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen auf, die du gerne mal reflektieren möchtest?

Wir laufen teilweise auf Autopilot durch die Welt.

Manchmal sitzen wir im Auto, fahren irgendwo hin und fragen uns anschließend, wie wir überhaupt dort hingekommen sind.

Dann ziehen Tage an uns vorbei und wir fragen uns, was wir heute überhaupt gemacht haben oder wo die Zeit geblieben ist.

Selbstreflexion findet nicht immer nur auf dem Papier statt. Auch in kleinen Momenten im Alltag können wir kurz innehalten und uns mal fragen – Moment mal, was war das denn gerade? Wo kam das denn jetzt her? Was steckt dahinter?

#4 Sei ehrlich

Ehrlichkeit währt am längsten. So auch bei der Selbstreflexion. Sei ehrlich zu dir selbst und bewerte ganz ehrlich wie du deine Gedanken, dein Verhalten oder deine Gefühle findest.

Es kann ja auch sein, dass du dein Verhalten total angebracht findest, obwohl alle anderen das Gegenteil denken bzw. sich so geäußert haben.

Das ist absolut ok. Sei ehrlich und schreibe genau auf, was du denkst und warum.

#5 Take it easy

Bei meiner Recherche zu dem Thema und zu weiteren Fragen, bin ich auf so schwere Kost wie die folgenden Fragen gestoßen.

  • Wer bin ich?
  • Worin liegt meine Lebensaufgabe?
  • Was ist meine Berufung?
  • Etc.

Wow, dachte ich mir, wer soll das denn bitte beantworten? Und am besten wohl noch in einer kleinen Abendreflexion?

Das finde ich persönlich ein bisschen happig und ist auch gerade für Anfänger ganz schön schwer zu beantworten.

Darum – take it easy – beginne mit kleinen Schritten.

Starte vielleicht lieber mit der Frage „Was hat mich heute erfüllt?“ oder „Was hat mir diese Woche am meisten Freude bereitet?“ anstatt „Was sehe ich als meine Erfüllung im Leben?“.

Indem du mit den kleinen Schritten beginnst, wird dir nach und nach immer bewusster, was dich wirklich erfüllt oder erfreut. Auch hier warten manchmal ein paar echte Überraschungen.

Das regelmäßige Durchführen von Selbstreflexionen wird dir somit nach und nach immer mehr Stoff liefern, um auch die großen Fragen knacken zu können.

Denn die wirklich wichtigen Dinge werden immer wieder hochkommen.

Aus diesem Grund mache ich gerne eine kleine Reflexion

  • am Abend
  • Ende der Woche
  • Ende des Monats
  • und am Jahresende

Natürlich die Morgenseiten nicht zu vergessen. Keine Sorge, du musst nicht gleich alles auf einmal machen, ich habe einfach die Leidenschaft und die Magie des Schreibens für mich entdeckt.

Für dich ist es zu Beginn absolut ausreichend mal eine kleine Abendreflexion oder eine kleine Reflexion am Morgen zu schreiben.

Deswegen ist auch das 6-Minuten-Tagebuch* so beliebt. 3 Minuten am Morgen und 3 Minuten am Abend, die hat nun wirklich jeder.

Kleiner Motivationskick

Es ist der absolute Wahnsinn, wie viel wir manchmal vergessen. Gerade wenn man noch einen großen Berg an Arbeit vor sich herschiebt, kann es schwierig sein sich darüber bewusst zu werden, was man schon alles erreicht hat.

Durch die notierte Selbstreflexion hat man es aber schwarz auf weiß. Wenn man sich dann die Zusammenfassungen durchliest, ist es ein echt tolles Gefühl.

Es muss auch nicht lang oder viel sein. Ein paar wenige Sätze reichen.

Allein, wenn du einen Erfolg pro Tag von dir notierst, sind das 365 Erfolge im Jahr, was wiederum ein riesen Push für dein Selbstwertgefühl und dein Selbstbewusstsein bedeutet.

Methoden der Selbstreflexion

#1 Morgenseiten

Morgenseiten sind eine wunderbare Methode, um eine Selbstreflexion zu schreiben. Hierzu schnappst du dir nach dem Aufstehen einen DinA4 Block und einen Stift und suchst dir einen ruhigen Ort.

Dann schreibst du 3 Seiten voll.

Genau, 3 ganze Seiten.

Mit was?

Na mit allem, was dir gerade so einfällt, was dir im Kopf so rumgeistert.

Genau das habe ich heute Morgen auch gemacht. Es gab da so eine Situation, über die ich mich aufgeregt habe bzw. die mir Sorgen bereitete, obwohl sie mich nicht direkt betraf.

Also Block und Stift raus und losgeschrieben. Wie immer waren ein paar echt tolle Erkenntnisse dabei, warum ich so denke, wie ich darauf gekommen bin, dass es nichts mit mir zu tun hat und dass die Verantwortung bei Jemandem anderen liegt.

Das hat mir wirklich dabei geholfen diesen Gedanken weiterziehen zu lassen und mich zu entspannen.

Mehr zu dem Thema Morgenseiten erfährst die in diesem Artikel.

#2 Journaling

Ich persönlich journale ganz gerne abends. Somit kann ich den ganzen Tag nochmal Revue passieren lassen.

  • Was war mein größter Erfolg heute?
  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Was ist heute gut gelaufen?
  • Was war weniger gut?
  • Was möchte ich verbessern?
  • Etc.

Hier gibt es auch bereits einige Journals, Tagebücher oder Planer, die schon mit Fragen zur Reflexion kommen.

Mit zu den beliebtesten Journalen gehören unter anderem wie bereits oben erwähnt Das 6-Minuten-Tagebuch*, sowie das DRANBLEIBEN Erfolgsjournal*.

Selbstverständlich kannst du aber auch gerne dein eigenes Bullet Journal, Tagebuch, Erfolgsbuch etc. dazu nutzen und dir hier die Fragen notieren.

#3 Achtsam im Alltag

Versuche dich, deine Gedanken, deine Gefühle und dein Verhalten bewusst im Alltag wahrzunehmen. Du …

  • … hattest gerade eine Auseinandersetzung mit jemandem?
  • … fühlst dich gerade ungerecht behandelt?
  • … bist gerade total wütend?
  • … trägst gerade negative Gedanken mit dir herum?

Nimm dir einen Moment lang Zeit, um innezuhalten und frage dich, was hier gerade passiert ist.

  • Was fühle ich gerade?
  • Was steckt dahinter?
  • Wie bin ich zu diesem Gedanken gekommen?
  • Entspricht dieser Gedanke der Wahrheit?
  • In welchem Teil meines Körpers bin ich gerade angespannt oder verkrampft?

Du kannst dir dieser Situation auch bewusst werden und reflektierst sie am Abend in Ruhe Zuhause.

Was bringt dir die Selbstreflexion? 9 Benefits

Eine regelmäßige Reflexion deines Selbst bringt jede Menge Vorteile mit sich, wie z.B.:

#1 Klarheit im Kopf

Dadurch, dass du dein Gedankenkarussell mal anhältst und die Gedanken nach und nach rausholst, aufschreibst und genauer unter die Lupe nimmst, dreht es sich nicht den ganzen Tag lang weiter. Sondern hier ist erst mal Ruhe und du gewinnst Klarheit darüber, was dir da alles so im Stübchen rumgeistert.

#2 Achtsamer im Alltag

Da du mehr Achtsamkeit im Alltag praktizierst, um auf deine Gedanken, Gefühle und Handlungen zu achten, schärfst du deine Sinne automatisch und wirst so mit der Zeit immer achtsamer.

#3 Steigerung des Selbstwertgefühls

Gerade durch die regelmäßige Reflexion und dem Aufschreiben deiner Erfolge steigerst du dein Selbstwertgefühl. Denn jeder Erfolg bestätigt uns und gibt uns ein gutes Gefühl, dass wir auch die nächste Situation meistern können.

#4 Steigerung der Produktivität

Durch das „entleeren“ deines Kopfes schaffst du Platz für die wichtigen Dinge und sparst dir zudem eine Menge Energie.

#5 Ängste und Sorgen

Du gehst deine Ängste und Sorgen aktiv an und nimmst ihnen somit den Wind aus den Segeln. Indem du sie einzeln hinterfragst und analysierst verlieren sie an Bedeutung.

#6 Steigerung des Selbstbewusstseins

Wir denken ja immer, dass Selbstbewusstsein etwas damit zu tun hat, dass wir total selbstsicher und überzeugend auftreten.

Wie die beiden zusammengesetzten Wörter allerdings schon verraten, geht es hier aber in Wirklichkeit darum dich deiner Selbst bewusst zu werden.

Und das schaffst du mit der Selbstreflexion alle mal.

Du beginnst zu verstehen, wie du auf diese Gedanken gekommen bist, warum du so gehandelt hast oder wie diese Gefühle entstanden sind.

#7 Persönliche Weiterentwicklung

Durch diesen ganzen Prozess entwickelst du dich stetig weiter. Du erkennst mit der Zeit wo deine Stärken, Schwächen und Herausforderungen liegen und kannst diese aktiv angehen. Indem du bereit bist genau hinzusehen und daran zu arbeiten, schaffst du Raum für Veränderungen. Du beginnst damit Verantwortung für dich und dein Handeln zu übernehmen, was wiederum zu selbstbestimmten Handlungen führt.

#8 Mehr Fokus

Du richtest deinen Blick auf das Wesentliche. Die Gedanken kreisen nicht immer wieder um dieselben Fragen, Ängste und Sorgen, da du sie dir aufs Papier holst. Und dann nach und nach angehst. Somit richtest du deinen Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge – Wo dein Fokus hingeht, da fließt auch deine Energien hin.

#9 Entspannter und ruhiger

Das Gedankenkarussell ist gestoppt und die Gedanken stehen auf Papier. Das gibt dir nicht nur das Gefühl, dass du aktiv etwas getan hast, sondern indem du die Gedanken analysiert und hinterfragt hast, verlieren gerade die negativen von ihnen an Gewicht. Das wiederum lässt dich entspannen und ruhiger werden. Du trägst diese Gedanken somit nicht mehr den ganzen Tag mit dir herum und fängst immer wieder von vorne an darüber nachzudenken.

Selbstreflexion Beispiel

Selbstreflexion Beispiel
Fotocredit: Alexa Williams on Unsplash

Hier findest du nun ein paar einfache Beispielfragen, die du tagtäglich für dich nutzen kannst.

Natürlich musst du nicht alle nutzen, suche dir einfach die Fragen raus, die dir am meisten zusagen. 

Am Morgen

Wofür bin ich heute dankbar?

Was sind meine Ziele für heute?

Wenn ich heute nur ein Ziel erreichen könnte, welches wäre das?

Was möchte ich heute erreichen?

Am Abend

Was war heute mein größter Erfolg?

Wofür bin ich heute dankbar?

Was hat mir heute Freude bereitet?

Was möchte ich morgen besser machen?

Was hat heute gut geklappt?

Was hat heute weniger gut geklappt?

Wem habe ich heute etwas Gutes getan?

Was habe ich mir heute Gutes getan?

Was hat mich heute vorangebracht?

Fazit Selbstreflexion

Wie schön wäre es, wenn wir uns wirklich verstehen würden – unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Handeln?

Wieviel mehr Selbstbestimmtheit und Erfüllung würde es uns bringen.

Wie viel mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl hätten wir, wenn wir uns regelmäßig reflektieren und unsere Erfolge notieren würden.

Wäre das nicht eine wunderbare Zukunftsaussicht?

Eine Selbstreflexion erfordert nicht viel Zeit oder einen großen Aufwand, aber sie erzielt unheimlich große Ergebnisse.

Und wie hat Ernst Ferstl so schön gesagt: „Wer in sich geht, kann mehr aus sich herausholen.“

In diesem Sinne wünsche ich dir viel tolle Erkenntnisse auf deinem Weg und ganz viel Spaß beim Ausprobieren.

Deine Julie

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2 Monate zuvor

Hallo Julie,

Sie wissen ja: auch ich bin Fan vom Schreiben. Daher volle Zustimmung meinerseits!
Gut geschrieben! Keep going!

Liebe Grüße
Jürgen Hopp
🙂
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