Negative Gefühle und Emotionen loswerden oder annehmen?

Negative Gefühle – Loswerden oder annehmen?

Der neue Trend: Be Happy! Happy, happy, happy.

Wir lechzen ständig positiven Gefühlen hinterher und möchten ständig glücklich sein.

Jeder Tag soll voll von tollen Momenten sein und ist mal ein grauer Tag dabei, so fragen wir uns gleich, was mit uns nicht stimmt.

Manchmal überkommen uns einfach so negative Gefühle und Emotionen.

Und da können wir uns noch so gut unter Kontrolle haben oder noch so viel an uns gearbeitet haben. Sie rollen einfach wie eine schwarze große Dampfwalz über uns.

Negative Emotionen können jede Menge Hintergründe haben, angefangen von Hormonen, über ein geschwächtes Selbstbewusstsein bis hin zu einem erhöhten Stresslevel, etc.

Jedem von uns geht es einmal so.

Aber heute steht nicht die Frage im Raum, ob uns das ab und an mal passiert, sondern was wir aktiv dagegen tun können.

Wie sollen wir mit negativen Emotionen umgehen, die hochkommen, wenn wir verletzt oder gestresst sind?

Einfach so tun, als wäre nichts? Optimistisch an die Sache gehen und sagen „Ach morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus?“ Oder gar unseren Frust in uns rein fressen?

Auf gar keinen Fall!

Vorweg noch eins: Warum schreibe ich über Gefühle und Emotionen – ist das nicht dasselbe? Nicht ganz.

Emotionen kommen aus unserem Unterbewusstsein, es handelt sich hierbei um sogenannte Urinstinkte, wie z.B. Angst, Wut, Trauer, etc..

Gefühle hingegen sind das Produkt unserer Gedanken, welche wir bewusst steuern können, wie z.B. Neid, Zorn, Schuld, etc. hierzu aber weiter unten mehr.

Wenn du dich näher dafür interessierst, dann schau doch mal in diesen Artikel von Wendepunkte rein.

Woher kommen negative Emotionen?

Woher kommen unsere Emotionen?
Fotocredit: JJ Jordan on Unsplash

Im eigentlichen Sinne hatten sie die Aufgabe uns zu schützen.

Ja auch Jahrtausende Jahre später tragen wir immer noch ein kleines Steinzeitmännchen in uns herum, denn in dieser Zeit haben uns die negativen Emotionen so einige Male den Hintern gerettet. Sie sicherten unser Überleben.

Wie? Na, schauen wir uns mal die negativen Emotionen und ihre Funktionen genauer an.

Ärger / Wut

Kennst du das auch, wenn die Wut in dir hochsteigt und du das Gefühl hast, dass dir gleich der Kragen platzt? Du so richtig in Rage kommst und nicht aufzuhalten bist? Dein Herz schlägt schneller, die Stimme wird lauter, die Muskeln sind angespannt. Dieses Gefühl hat dazu gedient, sich auf einen eventuellen Kampf vorzubereiten. Wenn man z.B. angegriffen wurde, hat der Körper mit Kampfansage darauf reagiert.

Angst

Schweißausbrüche, Herzrasen, flache Atmung und das Gefühl unseren Darm ziemlich schnell entleeren zu wollen hat uns in der damaligen Zeit dabei geholfen, schnell reißaus vor dem Säbelzahntieger oder anderer gefährlicher Tierarten zu nehmen. Da unser Körper in den sogenannten Alarmzustand versetzt wird, konnte er blitzschnell reagieren. Entweder weglaufen oder „einfrieren“ und wie angewurzelt stehen bleiben. Das half z.B. da manche Tiere nur auf schnelle Bewegungen reagieren.

Ekel

Der Ekel beschützt uns z.B. bis heute davor giftige und verdorbene Dinge zu essen. Oder Dinge, die uns einfach nicht guttun. Wir riechen dran und es ekelt uns – ganz klar, dass wir da nicht reinbeißen. Der Ekel dient als Schutz davor Krankheitsherde zu vermeiden, wenn eine Gesundheitsgefahr besteht.

Scham

Das Schamgefühl hat uns dazu gebracht die Regeln der sozialen Umgebung einzuhalten, um nicht ausgeschlossen zu werden. Denn dies bedeutete damals den sicheren Tod. Selbst wenn man mal ausgetreten war, hat der hochrote Kopf den anderen verraten, dass man sich für sein Verhalten schämt und hat somit meist nochmal eine zweite Chance erhalten.

Traurigkeit

Wenn wir traurig sind fühlen wir uns schwer und schwach. In diesem Zustand sind wir besonders leicht angreifbar. Das sorgte in der damaligen Zeit dafür, dass die Menschen in ihren Höhlen geblieben.

Was ist der Auslöser für negative Gefühle und Emotionen und worauf weisen sie uns hin?

Meist sind der Auslöser wir selbst – Ja richtig gehört.

So ungern wir es wahrhaben wollen, aber oft kommen negative Gefühle von negativen Gedanken.

Und wer kreiert unsere Gedanken? Genau, wir selbst!

Manchmal halten wir uns sogar daran fest oder noch schlimmer steigern uns rein.

Und was passiert dann?

Diese negativen Gedanken geben einen Impuls ans Gehirn, welches wiederum chemische Substanzen in unserem Körper freisetzt, der dementsprechend darauf reagiert, bzw. ins Handeln kommt.

Ich möchte bei dem Thema jetzt nicht zu weit ausholen. Wenn du dich näher dafür interessierst, dann schau doch mal in diesen Artikel von Julia Klein rein.

Das heißt wir fühlen uns dann letzten Endes tatsächlich so, wie wir es vorher gedacht haben.

Emotionen senden uns ein Signal, sie möchten uns auf etwas aufmerksam machen.

Vielleicht etwas, was in unserem Unterbewusstsein sitzt.

Diese Gefühle zu ignorieren ist nicht gesund, denn sie werden immer und immer wieder hochkommen, meist in anderen, bzw. stärkeren Formen.

Ärger, Wut und auch Angst – Die Hauptaufgabe deiner Emotionen ist es dich auf eine Herausforderung hinzuweisen, damit du die nötigen Veränderungen vornehmen kannst.

Was hilft gegen negative Gefühle und Emotionen?

Was hilft gegen negative Emotionen?
Fotocredit: Zulmaury Saavedra on Unsplash

Indem du lernst alle Emotionen zuzulassen, lernst du auch damit umzugehen. Du lernst dich besser kennen.

Du lernst genau zu wissen, wie du bist, wenn du verärgert, wütend, traurig oder ängstlich etc. bist und somit lernst du auch, was dir hilft damit umzugehen.

Was hat dir z.B. beim letzten Mal geholfen, als du in so einer ähnlichen Situation gesteckt hast?

Du entwickelst dein Wissen somit auch hier weiter.

Und das alles einfach, indem du dir selbst erlaubst diese Gefühle zu fühlen und sie zuzulassen.

Es macht dir bewusst, wie du damit umgehen kannst und welche Reaktionsmöglichkeiten du hast. Wie z.B.

#1 Atmen

Erst mal schön tief durchatmen.

Negative Gefühle und Emotionen sind generell mit Anspannung verbunden. Du bist angespannt, verkrampfst, bist starr.

Um diese Anspannung zu lösen, beginne damit bewusst langsam ein und auszuatmen.

Jedes Mal, wenn du wieder einatmest, versuche noch tiefer einzuatmen.

Wenn du alleine bist, kannst du auch gerne laut atmen.

Das kann sehr erleichternd und befreiend wirken.

Wiederhole diesen Vorgang zunächst mindestens 3x.

#2 Bewusstsein schärfen

Werde dir deiner Gefühle und Emotionen bewusst.

Was passiert hier eigentlich gerade?

Was fühlst du gerade? Ist es Trauer? Wut? Angst?

Und dann stell dir die Frage, warum.

Unter anderem können solche Auslöser sein:

  • Deine Erwartungshaltung an dich oder auch an andere – Er wusste doch, wie sehr ich mir das gewünscht habe
  • Deine Bewertung einer Situation, denn es ist immer noch dir überlassen, wie du darauf reagierst – z.B. wenn ich diese Prüfung nicht schaffe, dann wäre es das Schlimmste
  • Erfahrungen, die du in der Vergangenheit gemacht hast – z.B. eine Freundin war nicht ehrlich zu dir
  • Etc.

Was steckt da noch dahinter? Welche Bedürfnisse?

Indem du herausfindest, was deine Emotionen ausgelöst hat, gewinnst du mehr Klarheit darüber, was du als Nächstes tun solltest.

Schau dir die Situationen genau an, die diesen negativen Auslöser mit sich gebracht haben.

Werde dir auch nochmal bewusst darüber, dass du Herr über deine Gedanken bist. Deine Gedanken sind für deine Gefühle verantwortlich und deine Gefühle wiederum nehmen Einfluss auf deine Gedanken.

#3 Annehmen

Erkenne deine Gefühle und Emotionen einfach mal an.

Nimm sie so an wie sie sind.

Erkenne sie an und mach dir klar, dass sie nichts Schlechtes sind und nichts wofür du dich schämen musst.

Gestehe dir diesen Moment einfach mal zu. „Ok, ich bin jetzt wütend, das ist ok.“

Indem wir unsere Gefühle annehmen, akzeptieren und zulassen, vergehen diese meist auch schneller.

#4 Aktiv werden

Fühl einen Moment lang in deine Emotionen rein und lass es dann aber wieder gut sein.

Komm ins Handeln und tu aktiv etwas gegen deine negativen Gefühle und Gedanken.

Mit dem Wissen, dass deine Gedanken deine Gefühle kreieren und dass diese wiederum Einfluss auf deine Gedanken nehmen, bist du vielen schon einen großen Schritt voraus.

Viele denken, dass wir unseren Gedanken frei ausgeliefert sind und dass wir diese nicht beeinflussen können.

Du hast nun 2 Möglichkeiten. Oder am besten du nimmst beide wahr.

Komm in Bewegung

Indem du in Bewegung kommst, wie z.B. durch ein Workout, ein Spaziergang, etc. schüttet der Körper Glückshormone aus, was dir dabei hilft der kleinen Regenwolke zu entkommen.

Zieh die Laufschuhe an oder geh einfach eine Runde im Park spazieren.

Hauptsache du kommst in Bewegung, auch wenn du gerade gar keine Lust dazu hast. 

Arbeite an deinen Gedanken

Du hast die Möglichkeit aktiv an deinen Gedanken zu arbeiten.

In dem Moment, indem du dir über die Situation bewusst geworden bist, warum du so fühlst, bzw. was der Auslöser war, kannst du dich z.B. auch mal fragen, ob das denn wirklich so ist.

Was ich damit meine ist, dass wir die Dinge mit unserer subjektiven Wahrnehmung beurteilen.

  • Wollte mir die andere Person wirklich etwas Böses?
  • Wusste die Person, dass sie mich in diesem Moment damit sehr verletzen wird?
  • Steckte da vielleicht noch eine andere Absicht dahinter?

Desweiteren kannst du dir überlegen:

  • Was habe ich aus der Situation für mich gelernt?
  • Wie kann ich diese Aktion aktiv ändern?

Auch hier ist wichtig, dass du ins Handeln kommst. Schreib die Dinge auf, um sie aus deinem Kopf herauszuholen.

Du hegst negative Gefühle und Emotionen, weil du dich von jemandem verletzt fühlst. Sprich die Person darauf an. Sag ihr, wie du dich fühlst, was dich belastet. Vielleicht war es ja gar nicht so und es handelt sich nur um ein Missverständnis.

Es ist besser die Dinge auszusprechen, als sie in sich reinzufressen.

Mach dir auch hier nochmal bewusst, dass dich niemand sonst verletzen kann, außer du selbst.

Indem du diese negativen Gedanken in deinen Kopf lässt, löst du damit negative Gefühle aus. Ob die andere Person nun eine böse Absicht hatte oder nicht, wer die negativen Gedanken in deinen Kopf lässt bist immer noch du.

Wichtig

Diese Gefühle und Emotionen zu erfahren ist normal. Diese jedoch auf einem intensiven, immer wiederkehrenden Weg zu erfahren, ist meist ein Hinweis darauf, dass da noch etwas viel tiefer liegt, worum du dich kümmern solltest.

Wenn du dauerhaft starke negative Gefühle mit dir herumträgst, oder diese Gefühle stark dein Leben beeinflussen, bitte wende dich an deinen Hausarzt, an einen Therapeuten oder an einen Spezialisten für Hilfe und Unterstützung.

Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil, die Hand auszustrecken und nach Hilfe zu fragen ist ein Zeichen von Stärke.

Was ist das Gute an negativen Gefühlen und Emotionen?

Man sagt ja in allem Schlechten steckt auch etwas Gutes. So auch in negativen Gefühlen und Emotionen. Was tun sie für uns?

#1 Hinweis

Wir verspüren negative Gefühle und Emotionen aus einem Grund – sie weisen uns auf etwas hin. Also sieh genau hin, was sich dahinter verbirgt.

#2 Warnung

Sie warnen uns vor etwas.

#3 Handlung

Sie bringen uns dazu zu handeln, denn nur, wenn wir ins Handeln kommen, werden wir sie wieder los, bzw. lernen wir damit umzugehen.

#4 Stärke

Sie helfen dir stärker zu werden. Denn jedes Mal, wenn du sie annimmst und damit umzugehen lernst, wirst du resistenter.

5 Erste Hilfe Tipps, die dir über einen negativen Moment hinweghelfen

Was hilft in einem negativen Moment?
Fotocredit: Brooke Cagle on Unsplash259

#1 Sport

Geh raus, power dich so richtig aus oder mach ein Workout zuhause. Die Hauptsache ist, dass du in Bewegung kommst. Beim Sport werden jede Menge Glückshormone ausgeschüttet. Wie z.B. Dopamin, durch seine Ausschüttung stellt sich das Gefühl der inneren Zufriedenheit ein. Zudem senkt so eine knackige Sporteinheit auch das Stresshormon Cortisol.

#2 Lachen

Schau dir ein lustiges Video oder eine Komödie an, lass dich mal wieder so richtig zum Lachen bringen. Auch beim Lachen gilt, Glückshormone werden freigesetzt, Stresshormone werden abgebaut und zudem steigt noch die Immunabwehr.

Laut Palverlag befreit Lachen von Anspannung, Ärger, Stress und Angst. Einen weiteren tollen Artikel darüber, wie gut uns Lachen wirklich tut, findest du beim PAL Ratgeber Verlag.

#3 Weinen

Lass einfach mal alles raus – weine. Weine so lange, bis du das Gefühl hast, alle Tränen sind raus.

Hast du dich schon mal so richtig ausgeheult? Und wie ging es dir danach? Warst du ruhiger? Entspannter? Kein Wunder, weinen hilft uns ebenfalls dabei Stress abzubauen und schüttet Glückshormone aus. Hast du dich schon mal „in den Schlaf geweint“? Glaub ich dir, denn Weinen fördert auch einen ruhigen Schlaf.

Hier findest du 7 Gründe, warum du öfter mal weinen solltest.

#4 Dankbarkeit

Notiere 25 Dinge für die du heute dankbar bist. Das können kleine Dinge sein von fließendem Wasser über ein Dach über dem Kopf bis hin zu deiner Gesundheit.

Schreib alles auf.

Bei der Ausübung von Dankbarkeit handelt es sich um ein emotionales Erlebnis, das Menschen optimistischer in die Zukunft blicken lässt.

#5 Reden

Quatsch dich mal so richtig mit einer Freundin aus. Erzähle ihr von deinen Emotionen und Gefühlen. Es tut manchmal einfach gut zu reden und alles vom Herzen zu bekommen.

Wichtig ist nur, dass die Person ein positiv eingestellter Mensch ist, denn ansonsten findet ihr euch sehr schnell in einer Konversation wieder, warum das Leben so schlecht ist, warum alle gemein sind, etc. – und das hilft nun wirklich nicht weiter.

Fazit

Wie du siehst haben negative Gefühle und Emotionen nicht nur ihre Schattenseiten und all diese Gefühle und Emotionen, seien es positive oder negative machen uns menschlich.

Auch im chinesischen gibt es das Yin und das Yang – alles hat 2 Seiten (positive und negative).

Also wenn du das nächste Mal einen Hänger hast, dann sieh genau hin und stell dir die Frage, auf was dich diese Gefühle und Emotion hinweisen will.

Schluck sie nicht runter, verdräng sie nicht oder leugne sie gar.

Sie sind ein Teil von dir und mit jeder negativen Emotion die du erfährst lernst du auch besser damit umzugehen.

Hier habe ich noch ein sehr schönes Video von der Glücksdetektivin Dr. Katharina Tegel zu dem Thema gefunden.

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YouTube: Umgang mit negativen Gefühlen: 4 No Go‘s und 3 Regeln

Zum Schluss möchte ich nochmal betonen, dass ich hier von einer vorübergehenden Situation spreche. Solltest du das Gefühl haben in der Begleitung einer ständigen Regenwolke zu sein, dann streck den Arm aus und bitte um Hilfe. Mit professioneller Hilfe lassen sich auch solche emotionale „Löcher“ stopfen.

Und das Leben ist eben viel zu schade, um es nicht jeden Tag voll zu leben und auszukosten.

Deine Julie

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Edith Bihler
2 Jahre zuvor

Liebe Julie, Danke für Deine Zeilen. Sie brachten mich zum Nachdenken. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch und wenn es nicht so läuft, werde ich schnell mal aggressiv. Als ich noch berufstätig war, mussten oftmals Kolleginnen unter meinen Angriffen leiden. Meine liebe Ex-Cheffin Edith Die Große schaute mich intensiv an und sagte: „was ist denn los, warum greifst Du mich an, UM WAS GEHT ES DENN EIGENTLICH.“ Tja, das war’s. Ich konnte über das eigentliche Ärgernis mit der Grossen sprechen. Geholfen hat dann immer, wenn wir lachten. Manchmal haben wir Stadt/Land/Fluss gespielt, einfach um mein verkrampftes Gehirn zu entspannen. Und… Weiterlesen »